sei du selbst.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, so war das Spielverhalten schon früh nach dem Geschlecht aufgeteilt: Bereits im Kindergarten spielten die einen Familie und die anderen mit Bauklötzen, und wer sich für das andere, "unpassende", interessierte, wurde  oft gehänselt. Häufig wird dieser Unterschied als natürlich wahrgenommen. Sicher hat jede*r von uns schon gehört, dass Mädchen einfach ruhiger und sozialer sind, während Buben einfach ein bisschen wilder sind und sich austoben müssen. Dieses Jahr beim Musiksommer ist uns aber aufgefallen, dass viele Kinder gerne Sachen machen, die den Stereotypen gar nicht entsprechen: Buben waren beim Fingerhäckeln, Puppen basteln und Tanzen vorne dabei, während Mädchen sich auch gerne Mal draußen beim Fußballspiel behaupteten - und allen schien dies wirklich Spaß zu machen. Uns war es auch wichtig, den Kindern die Freiheit zu geben, das zu tun, was ihnen am Besten gefällt, ohne durch gesellschaftliche Normen beschränkt zu werden. Um dieses Klima zu fördern, haben wir uns bereits im Vorhinein mit einigen Aspekten der geschlechtsneutralen Erziehung auseinandergesetzt, und versucht, diese im Hinterkopf zu behalten. 

 

Bei meiner Recherche habe ich einige spannende Beispiele für die Umsetzung geschlechtsneutralerer Erziehung gefunden. Das wohl bekannteste darunter ist der schwedische Kindergarten "Egalia". Nachdem Lehrerin Lotta Rajalin sich und ihre Kolleg*innen bei der Arbeit filmte, fiel ihr auf, dass sie trotz ihrer Überzeugungen unbewusst Kinder je nach Geschlecht anders behandelten. Sie beschloss, etwas zu ändern und eröffnete 2010 diesen Kindergarten. Hier werden die Kinder ausschließlich mit dem geschlechtsneutralen Pronomen hen angesprochen, Spielsachen und Bücher werden sorgfältig ausgewählt und Kinderlieder umgedichtet. Das zeigt auch Wirkung - es wurde beobachtet, dass Kinder aus Egalia eher dazu bereit sind, mit andersgeschlechtlichen Kindern zu spielen, als Kinder aus anderen schwedischen Kindergärten. 

 

Für uns beim Musiksommer sind viele dieser Maßnahmen natürlich nicht umsetzbar - trotzdem ließen wir uns von einigen Ideen inspirieren. In einer Diskussionsrunde haben wir besprochen, was wir alles beachten wollen. Wir beschlossen, ein offenes Klima, in dem niemand gehänselt wird, zu fördern. Dazu gehört, dass wir allen die Möglichkeit gaben, sich ohne Verurteilung für die Aktivitäten anzumelden, die sie interessieren. Ein Mädchen mit kurzen Haaren kam zu uns, da sie mehrmals als Junge bezeichnet wurde. Als wir bei der Abendrunde thematisierten, dass jede*r sich so kleiden kann wie er oder sie das will, ganz unabhängig vom Geschlecht. Dabei fiel uns auch auf, dass viele Kinder die Idee eines Mädchens im Fußballtrikot viel eher akzeptierten als die eines Jungen im Ballett-Tutu. Außerdem war es uns wichtig, auch als Team vorzuleben, dass jede*r Interessen unabhängig vom Geschlecht haben kann. Schlussendlich versuchten wir auch, allen Aufmerksamkeit zu schenken, auch denen, die etwas ruhiger waren.

 

Es hat uns sehr gefreut, dass dieses Jahr beim Musiksommer alle Kinder einander so offen begegneten. Wir hoffen, dass sie ihre Einstellung weitertragen. Für uns als Betreuende gilt es jetzt, uns auch weiter aktiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Auch wenn es keine endgültige, universelle Lösung gibt, so kann eine Auseinandersetzung mit der Problematik sicherlich dazu beitragen, dass wir unser Leben individuell gestalten. Und zwar nach unseren Vorstellungen, und nicht nur denen der Gesellschaft. 

Mehr zu diesem Thema:

https://www.zeit.de/2012/34/C-Schule-Kindergarten-Schweden

 

https://www.derstandard.at/story/2000107592027/zehn-geschlechter-mythen-im-faktencheck 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Weltklänge

Am 19.6.2019 findet das Benefizkonzert im Saumarkt statt.

Der Musiksommer 2019 wird vom 26.8 - 30.8.2019 in Alberschwende stattfinden. Am 30.8.2019 gibt es ein Abschlusskonzert in Mesmers Stall Alberschwende.

 Dieses Projekt wird von der EU gefördert.

ORt

Kontakt

Sollten Sie Fragen haben oder ein Feedback geben möchten, können Sie sich jederzeit bei uns melden.

 ANSPRECHPARTNERINNEN:

Organisation: Elisa Kessler

Presse: Judith Faißt

 MAIL: team@weltklaenge.at

TEL: +43 677 631 069 65